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Beobachtet man im Internet die Fachgespräche in den diversen Internetforen, hat man den Eindruck, dass ein gelungenes Foto immer noch Hand in Hand mit einer teuren Ausrüstung einhergeht. Objektive oberhalb 1000 € und DSLR-Kameras (nur Body), die den Preis eines gebrauchten Kleinwagens erreichen, werden oftmals als Garant für gute Fotos zu Felde geführt. Das ist erstens, nicht richtig und zweitens, vollkommen falsch, wenn es um Amateur-Fotografie geht. Technik ist gut, Technik ist auch wichtig, aber… sie ersetzt weder das gute Auge für ein Motiv, noch die Kreativität des Fotografen. Sie kann nur unterstützen.

Für die meisten Fotos reicht eine gute Kompaktkamera im mittleren Preissegment aus und wenn man nicht gerade das neueste Modell ins Auge gefasst hat, ist auch ein preisreduziertes Vorgänger-Produkt eine Überlegung wert.  Auf welche Eigenschaften einer „Kompakten“ beim Kauf geachtet werden sollte, ist Thema eines eigenen Artikels im Bereich Technik.

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Alles unter Kontrolle – Tethering

Folgendes Problem kennt jeder Fotograf. Auf dem Kontrollmonitor der Kamera sah das Bild gut aus; Blinkwinkel auf das Motiv in Ordnung, Farben ok und die Aufahme scharf bis an den Rand. Beim sichten der Fotos am heimischen Rechner dann die Ernüchterung. Mangelnde Schärfe in Teilbereichen und mit einer Positionsveränderung um wenige Meter hätte man noch viel mehr aus dem Motiv herausgeholt. Ärgerlich. Hätte man doch den großen Monitor dabei gehabt.

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Nun, den 32 Zöller auf einer Fotosession mitzuschleppen ist nicht nur unpraktikabel, sondern scheitert bei Aussenaufnahmen auch an dem meist fehlenden 230 Volt Netzanschluß. Für ambitionierte Amateurfotografen, die einen Tablet-Computer besitzen, gibt es eine Lösung, die so manch spätere Enttäuschung verhindert – das Tethering. Das Tablet wird dabei zur Fernbedienung der Fotokamera und ermöglicht damit eine bessere Kontrolle der Aufnahmen.
Natürlich funktioniert das auch mit diversen Smartphones, aber ob es wirklich Sinn macht, den 3-Zoll-Kamera-Monitor gegen ein 5-Zoll Handydisplay zu ersetzen, bleibt fragwürdig. Mindestens 8 Zoll sollten schon zur Verfügung stehen; 10-12 Zoll sind empfehlenswert. Dabei ist es egal, welches Betriebssystem auf dem Tablet installiert ist, denn es gibt die Programme für Android, Windows und Linux. Alles was man sonst noch benötigt, ist ein passendes USB-Kabel, um die fernbedienungsfähige Kamera mit dem Tablet zu verbinden. Die Programme zur Fernsteuerung sind entweder kostenlos (Windows/Linux) oder zumindest für einen geringen Betrag (Android) erhältlich.

 

Warum 10 Zoll oder größer?

Nach der Aufnahme sollte in der Vorschau eine ausreichend große Darstellung des Fotos vorhanden sein, ohne das noch in das Bild gezoomt wird. Bei kleineren Displays fokusiert das Auge mehr, es stellt sich selbstständig „scharf“ und betrügt uns ein wenig in der Wahrnehmung. Übrigens der gleiche Effekt, wie bei der Kontrolle am Kameramonitor. Bei einem größeren Abbild erfasst unser Gehirn eher das ganze Foto und entlarvt so auch die kleinsten Fehler in der Motiv-Komposition. Ausserdem wird ein kleineres Bild auf den ersten Blick immer schärfer aussehen, als ein größeres – unabhängig von der Pixelanzahl der Displays. Für die absolute Schärfekontrolle ist natürlich ein zoomen in die Details des Fotos notwendig und ist mit zwei Fingern auf einem Tablet schnell gemacht.

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Einspruch Herr Wiesner !

Blogeintrag !

Ich gebe es zu. Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich den einen oder anderen Fototip aus den unendlichen Weiten von Youtube holen und deshalb viele Videos aus der „Röhre“ konsumieren. Das war in der Vergangenheit eine feine Sache und hat mir sehr viele Möglichkeiten eröffnet, kreativer zu fotografieren und vor allem, sicherer mit meinem „Werkzeug“ umzugehen. Dafür erst einmal ein DANKE an alle Fotoprofis, die ihr Wissen mit uns „Hobbyknipsern“ geteilt haben.

Einer dieser „Youtube-Mentoren“ ist Stephan Wiesner. Man liebt oder hasst den Mann, der in seinen Videos sich so einiges in den nicht vorhandenen Bart murmelt, oftmals mit der Technik hadert und auch so manchen Kraftausdruck in der Öffentlichkeit nicht scheut.

Sein November-Video 2015 mit dem Titel „Kauf keine Einsteiger-Kamera“ erzeugte aber nicht nur Stirnrunzeln, sondern konterkarierte auch sämtlich Aussagen von namhaften Foto-Profis.

Mit der Meinung, dass eine Kompaktkamera mit 1 Zoll-Sensor die gleiche Qualität wie eine Einsteiger-DSLR mit Kit Objektiv bringt (das ist so zwar richtig, aber…) und deshalb solch eine Einsteiger-DSLR  erst gar nicht auf die “Wunsch“-Liste kommen sollte, steht er nicht nur alleine da, sondern verhindert auch das „wachsen“ des zukünftigen Amateurfotografen am Equipment. Wenn ich vor vier Jahren, als ich nach 20 Jahren Abstinenz wieder angefangen habe, zu fotografieren, diesen Rat befolgt hätte, wäre meine Begeisterung für das Thema Digitalfotografie nach kurzer Zeit beendet gewesen. Canon und Nikon hätten ein paar tausend Euro weniger Umsatz gemacht und ich hätte jetzt ein anderes Hobby.

Wie kann ein Fotograf so einen Rat von sich geben? Genau das Gegenteil ist der richtige Weg und der wird auch allgemein von den etablierten Fotografen empfohlen. Mit einer Einsteiger-DSLR beginnen und diese Ausrüstung bis ans Limit ausreizen. Der Lerneffekt ist enorm und hat man die Grenzen erreicht, kommt der nächste Schritt – eine bessere Kamera oder, weil noch sinnvoller, bessere Objektive. Selbst mit einem DSLR-Einsteiger-Body, wie z. B. der Canon 1000D, gelingen mit einem guten Objektiv spektakuläre und sehenswerte Fotos. Den Beweis findet ihr auch auf dieser Seite, denn viele Fotos (z. B. Semper-Oper in Dresden, ICC Berlin, die Grubenlampe und auch viele Nightshots) sind mit genau dieser10MP Canon-Einsteiger-Kamera gemacht worden. Und um dem Ganzen auch noch einen besonderen Wink in Richtung Wiesner zu geben – einige Fotos wurden sogar mit dem 16-55mm Kit-Objektiv aufgenommen!

Sicher, das alles ist Amateurqualität, aber viele Hobby-Fotografen hatten und haben auch nicht vor, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Das schließt nicht aus, mehr und mehr über das Thema Fotografie zu lernen und erfolgreich umzusetzen. Mit einer Kompaktknipse lernt man nur eines und das nach kurzer Zeit – das Ding daheim liegen zu lassen. Smartphone geht nämlich auch.

Also Herr Stephan Wiesner – man kann Dinge auf vielerlei Weise kaputt reden, aber gerade die Fotografie ist ein äusserst dynamisches Hobby, das auch von der Vielzahl an Schnittpunkten zur Technik lebt. Den Lerneffekt der DSLR-Fotografie durch eine Kompaktknipse abzuwürgen, ist nicht gerade förderlich, um Neueinsteiger zu motivieren. Vielleicht habe ich den Youtube-Beitrag auch falsch verstanden, aber dann besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch viele Andere die Quintessenz des Beitrags nicht richtig interpretieren.

Zwar mag die Aussage, dass eine 1 Zoll Kompaktkamera qualitativ gleichgute Aufnahmen erzeugt, technisch gesehen richtig sein, aber spätestens beim Thema Boket ist mit der Knipse Schluß mit lustig. Und was das Anbringen von (sinnvollem) Zubehör angeht – da ist eine Einsteiger-DSLR immer die bessere Wahl.

Und deshalb gehört sie IMMER auf den Wunschzettel !

Jürgen Olejok / 2016

Blitzdings

Über kaum ein anderes Foto-Thema findet man im Netz so viel Informationen wie über die Blitzfotografie. Eigentlich verwunderlich, denn das Blitzgerät soll ja lediglich Licht ins Dunkel bringen. Das machen die Blitzer auch meist, nur manchmal zu viel, zu wenig, unscharf oder auch gar nicht. Die Fehlerursache liegt in 99 Prozent der Fälle hinter der Kamera, denn auch wenn heutzutage die Kameraelektronik dem Nutzer schon viel Arbeit erspart, sind doch einige Kleinigkeiten zu beachten, damit das geblitzte Foto nicht zum Desaster wird. Hinzu kommt, dass die Auswahl an Blitzgeräten und ihrer Ausstattung nicht dazu beiträgt, ein einheitliches Ergebnis zu erzielen. Mit diesem Artikel sollen Fakten aus Mythen und Tatsachen aus Behauptungen gefiltert werden, damit auch der Einsteiger einen besseren Überblick darüber bekommt, was man für seine Blitzorgien braucht und auf was zu achten ist.

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Wer braucht was und wofür?

Ein kurzer Blick auf den Seiten des Primus im Internethandel genügt, um festzustellen, dass es so viel an Aufsteckblitzen und Zubehör gibt, dass allein das Filtern von Angeboten zur Nachmittagsbeschäftigung wird. Von unter 30 € bis fast 500 € gibt es eine Unzahl von Geräten, die einen Blitz erzeugen können. Aber welchen benötigt der Fotoamateur und was möchte er hauptsächlich damit machen? Der Einfachheit halber können potentielle Blitzgerätekäufer in drei Gruppen eingeteilt werden:

– Der Gelegenheitsknipser, der einfach nur eine bessere Möglichkeit zum Ausleuchten eines Motivs haben möchte, als der interne Kamerablitz liefert.

– Der ambitionierte Fotoamateur, der nicht nur korrekt ausleuchten, sondern auch mit dem Blitzlicht experimentieren will

– Der bequeme Fotograf, der wirklich alles über sein zentrales Arbeitsgerät, der Kamera, steuern und einstellen möchte

Eine sehr vereinfachte Eingruppierung, aber dennoch ausreichend, wie man später feststellen wird, denn natürlich gibt es auch Überscheidungen zwischen den Gruppen. Diese sind aber nicht so relevant, dass man dafür eigene „Blitzklassen“ benötigen würde. Die Übergänge sind doch recht fließend, wenn man berücksichtigt, dass prinzipiell jede der drei Gruppen mit dem gleichen Blitzmodell zum Ziel kommen würde. Es ist, wie immer in der Fototechnik, auch eine Frage des Preises und der möglichen Einsatzszenarien, die letzendlich über die Anschaffung entscheiden.

Premium-Hersteller oder China-Kopie?

Dieses Thema ist heikel, sollte, oder besser, MUSS aber behandelt werden.

Leistungsfähigkeit, Funktionsvielfalt und Preis sind eng miteinander verbunden. Völlig losgelöst von dieser Tatsache ist anscheinend die Preisgestaltung der Premium-Hersteller von Blitzgeräten wie Canon und Nikon. Die Preise dieser Firmen für Blitzgeräte sind für das eingesetzte Material exorbitant hoch und bilden die Grundlage dafür, dass chinesische Zweit- und Drittproduzenten seit einigen Jahren in Europa einen fruchtbaren Absatzmarkt finden. Wer jetzt argumentiert, dass man bei der Preisgestaltung die enormen Entwicklungskosten eines Blitzgerätes einkalkulieren muß, der hat definitiv keine Ahnung, über was er da redet. Entwickelt im Sinne von Forschung, wurde im Bereich Blitzgeräte schon seit Jahren nichts mehr. Lediglich Software-Verbesserungen und, Überraschung, noch niedrigere Stückkosten durch höhere Integration der Bauteile, sind die einzigen Felder, für die „Entwickler“ noch gebraucht werden. Betrachtet man die Bauteile eines Blitzgerätes und rechnet die Fertigungskosten dazu, kommt man zum Beispiel bei einem Nikon SB-910 auf einen Preis von ca. 42 € ! Der Verkaufspreis in Deutschland beträgt etwas über 450 € !! Hier darf und muss die Frage erlaubt sein, was einen 10fach höheren Verkaufspreis rechtfertigt. Weil Nikon draufsteht?

Es ist für den potentiellen Blitznutzer durchaus legitim, sich bei solchen Preisgestaltungen nach Alternativen umzusehen. Und die gibt es, auch wenn sich schnell der Begriff „Plagiat“ breit macht. Klar, die chinesischen Billig-Hersteller haben den blitz_9Blitz nicht neu erfunden und kopieren meist das Design erfolgreicher Marken-Hersteller. Das führt dazu, dass es Blitzgeräte gibt, die sich äußerlich kaum noch von den Marken-Blitzen unterscheiden, aber nur ein fünftel bis ein viertel des Preises kosten. Leisten sie exakt das Gleiche wie die bekannten Markengeräte? Klare Antwort: Nein! Leisten sie genug, um ausreichend und erfolgreich die Fotos zu belichten: Klare Antwort: Ja! Firmennamen wie YongNuo, Meike oder Neewer haben längst ihren Status als Exoten abgelegt und werden zunehmend sogar in der Profi-Fotografie erfolgreich eingesetzt. Die Geräte kosten einen Bruchteil der vergleichbaren Modelle der Premium-Hersteller und spielen selbst in Sachen Haltbarkeit, Verarbeitung und Haptik  in der ersten Liga.

Damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt, der in Foto-Fachforen zum Streiten animiert – die Zuverlässigkeit. Oft wird gerade die Haltbarkeit dieser China-Blitze bemängelt. Dazu ein (einfaches) Rechenbeispiel:Wenn ich von einem Premiumprodukt wegen des hohen Preises 100 Stück verkaufe und gleichzeitig der Billiganbieter 1000 Stück umsetzt, wird man zwangsläufig numerisch eine höhere Anzahl von Defekten beim Billiganbieter vorfinden. Prozentual gesehen entsprechen aber in dieser Rechnung lediglich zehn defekte Premium-Geräte einer Ausfallrate von 100 Geräten bei der Billigmarke.  Statistisch gesehen gibt es dadurch mehr Berichte über defekte Billigblitzer. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Absatzzahlen wird die Sache schnell relativ. Im eigenen Fotoumfeld ist übrigens nicht ein einziger Fall bekannt, dass ein China-Blitz nicht so funktionierte, wie er sollte. Nicht mal nach Jahren im Gebrauch.

Eine weitere Unart der Internet-Diskussionskultur sind absichtliche Falschmeldungen über Billigblitze. Häufig liest man von Fällen, bei dem ein preiswerter China-Blitzer zum Defekt oder gar Totalausfall der Kamera führte. Die angeblichen Beweise werden dann bei YouTube gezeigt, wobei bei 99 Prozent der „Beweisfälle“ dem Fachmann schnell klar wird, dass hier noch das Eine oder Andere bei der Kamerabedienung bzw. dem Handling schief gelaufen ist. Warum nach einem Sturz der Kamera unbedingt der Blitz die Elektronik zerstört hat, wird wohl ewig ein Geheimnis des Besitzers bleiben.

Wegen der Vollständigkeit und zumindest einer rudimentären Objektivität dieses Artikels geschuldet, soll auch ein weiterer Punkt nicht unerwähnt bleiben. Im Bereich Kundenbetreuung und Reparaturabwicklung gibt es noch viel Verbesserungspotential bei den chinesischen Produzenten. Hier haben z. B. die Kamera-Hersteller wie Canon oder Nikon die Nase meilenweit vorn. Aus Erfahrung kann man durchaus behaupten, dass deren Kundenbetreuung vorbildlich ist und nicht einmal ansatzweise Anlass zur Kritik besteht.

Trotzdem ist der Faktor 10 eine Hausnummer, AUCH wenn man den guten Service mit berücksichtigt. Das ist auch der Grund, warum sich dieser Artikel in erster Linie auf die Produkte der chinesischen Hersteller bezieht. Sie funktionieren, so wie sie sollen und leisten das, was sie gekostet haben. Nicht immer gleichwertig zum Premium-Segment, aber mehr als ausreichend für jeden Fotoamateur.

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Stahlwerk

stahlwerl_abendlicht-1Bei Nightshots und Aufnahmen in der blauen Stunde, ist auch das Wetter ein primärer Faktor für ein gelungenes Foto. Klare Luft und ein Sonnenuntergang, der karibisches  Format besitzt, sind die besten Bedingungen für ein Fotoshooting. Wenn sich dann Naturlicht und Kunstlicht auf einer Ebene treffen, wird das Ergebnis sehenswert. Im Winter ist der Zeitraum für die blaue Stunde extrem eingeschränkt. Gerade einmal 10-15 Minuten bleiben dem Fotografen, um den richtigen Moment auf die Speicherkarte zu bekommen. Danach wird es auch mit RAW-Aufnahmen schwierig, eine natürliche Balance der Lichtquellen zu erreichen.

Beim ersten Foto, dass die angeleuchtete „Skyline“ des alten Stahlwerks Duisburg-Meidrich zeigt, war es schon verdammt knapp mit dem Umgebungslicht und keine Zeit für übliche Kontrollschüsse. Hier musste die eingesetzten Technik stimmen und das Setup aus Erfahrungswerten gewählt werden. Zwar ist das Ergebnis äusserst befriedigend, aber auch nicht der echte Hingucker, denn das noch vorhandene Tageslicht verdirbt ein wenig die spannende Dynamik der installierten Beleuchtung. Stahlwerk Landschaftspark Nord DuisburgGanz anders verhält es sich ca. 15 Minuten später, als sich die blaue Stunde verabschiedet hat und lediglich das natürliche Restlicht einen angemessenen Hintergrund für die Lichtinstallation erzeugt. Erst jetzt wird das Wechselspiel der Farben deutlich, Konturen kontrastreich abgebildet. Zwar wirken im Ergebnis  einige Lichtbereiche übersteuert, erkennbar an den daraus resultierenden Farbsäumen, aber diese Mängel muß man in Kauf nehmen, damit die punktförmigen Kunstlichtquellen eine schöne Aura (Strahlen) bekommen.

Highlight des Panoramas ist der grün beleuchtete Brückenkran vor dem Hochofen. Das beeindruckende Transportmittel ist auf jeden Fall einen „Extraschuss“ wert und deshalb musste innerhalb von einer Minute mal eben die Aufnahmeposition geändert werden. Jeder Amateurfotograf kennt die Probleme, die bei einer Standortveränderung, und mag sie nur wenige Meter entfernt sein, hinzukommen. Deshalb ist das hier erreichte Ergebnis mehr als zufriedenstellend. Durch die sehr harte Beleuchtung war  der hellere Hintergrund der blauen Stunde die bessere Wahl. Das dunklere Nightshot des gleichen Motivs wirkt einfach zu kontrastreich und ähnelt eher einer HDR-Aufnahme, was diesmal aber nicht gewollt war.

stahlwerkKnackig scharf und mit wenigen Überlichtungen verseucht (man darf es auch als künstlerischen Ausdruck verstehen), sind so in wenigen Minuten Fotos entstanden, die man durchaus in einer Ausstellung zum Thema Kunstlichter präsentieren könnte. Der Lerneffekt des ganzen Fotoshootings war – nicht immer „passt“ ein Motiv zu den magischen Lichtverhältnissen der blauen Stunde. Gerade die Art der Fremdbeleuchtung kann der Grund dafür sein, doch noch etwas länger mit einer Aufnahme zu warten und später die Balance zwischen Natur- und Kunstlicht über den RAW-Konverter neu zu bestimmen. Solange der Himmel noch nicht völlige Nachtschwärze erreicht hat, ist ein Abendhimmel als Hintergrund möglich. Nicht immer auf dem kleinen Kameramonitor erkennbar, aber bei der RAW-Entwicklung wird er wieder sichtbar. Wobei wir damit beim vorherigen Thema landen, denn bei diesen Lichtverhältnissen holt das RAW-Format doch ein wenig mehr aus einer Aufnahme heraus und ist dem JPG in allen Belangen überlegen.

In einigen Mails zu dieser webseite wurde bemängelt, dass ich zu meinen Fotos nie Angaben zur benutzten Technik mache. Nun, das geschah und geschieht mit voller Absicht, weil ich weiterhin der Meinung bin, dass die Technik nur ein Werkzeug ist und auch die beste, neueste oder professionellste Ausrüstung weder die glückliche Auswahl eines Motivs, noch das Auge für das Bild ersetzen kann. Mir persönlich ist es egal, welche „Knipse“ ein wirklich betrachtenswertes Bild geschossen hat. Solange es scharf ist und das Motiv den Betrachter fesselt, war das Werkzeug gut genug.

Fotos: Jürgen Olejok /© 2016

RAW oder JPEG – Eine Frage des Formats

Vorab eine Anmerkung

Es war lange Zeit nicht klar, ob ein Artikel zu diesem Thema in Computerform überhaupt sinnvoll ist, denn bildliche Beispiele sind über den Computer nur in speziellen Fällen sichtbar. Das liegt an der Tatsache, dass der Monitor, vor dem der Leser sitzt, im besten Fall nur Bilder mit 8 bit pro Farbkanal darstellen kann, meist sogar nur in 6 oder 7 bit, je nach Qualität und Alter des Displays. Dazu kommt, dass viele Browser und Bildbetrachter ebenfalls nur 8 bit darstellen können. Im Falle eines Direktvergleichs würde ein Foto in beiden Formaten komplett gleich auf dem Display aussehen. Der Grund, warum dann doch dieser Artikel hier steht, liegt in den Möglichkeiten, die, abweichend von der höheren Farbtiefe, entweder besser oder ausschliesslich mit dem RAW-Format durchführbar sind.

RAW vs. JPEG

Es hat schon fast etwas von religiösem Eifer, wenn man die Diskussionen Pro und Contra RAW-Format in den einschlägigen Foto-Foren mit verfolgt. „DAS“ Format für die Profis heißt es selbstbewußt auf der einen Seite. Speicherhungriger Schnickschnack verbunden mit zusätzlicher Arbeit argumentieren die Anderen. Aber wer hat Recht?
Die Antwort auf solche Grundsatzdiskussionen ist, wie meistens, von sybillischer Natur: Beide haben Recht! Es kommt halt darauf an, was schon in der Planung für das Foto an Nachbearbeitung vorgesehen war. Mal wieder eine leichte Antwort auf eine schwierige Frage, aber tatsächlich ist der Weg, den das endgültige Foto nehmen wird, das viel zitierte Zünglein an der Waage und der Grund, warum man sich für das eine oder andere Format entscheiden sollte.
Soll die Aufnahme im Internet veröffentlicht werden oder ist ein Printout in Postergröße geplant? Muss es schnell gehen oder hat man genügend Zeit, die Rohdaten akribisch zu entwickeln? Besitzt das abgebildete Motiv so viele (sichtbare) Farbabstufungen, dass sich eine Bearbeitung mit 10 bit bis 16 bit, je nach RAW-Format, auch lohnt? Wie hoch ist der Qualitätsunterschied und welche Optionen bieten beide Formate, Fehler des Fotografen per Software zu beheben?
Wie gewohnt, sollen auf diesem Blog diese Fragen praxisnah und amateurtauglich beantwortet werden.

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Wenn Vergösserungen geplant sind, ist das RAW dem JPEG weit überlegen. Als Beispiel dient das nebenstehenden Foto, aus dem zwei Ausschnittsvergrößerungen (rotes Rechteck) erzeugt wurden. Einmal vom JPG (links) und einmal von der RAW-Datei (rechts). Der Ausschnitt des RAW-Bild wurde im RAW-Konverter erzeugt und dann wieder in ein JPEG exportiert. Vergrössert man die Ausschnitte mit einem Bildbetrachter, sind die JPEG-Kompressionseffekte (in diesem Fall Unschärfe) deutlich sichtbar. Die RAW-Vergrößerung ist wesentlich schärfer und detailreicher; das Typenschild gut erkennbar. Solche Ausschnittsvergrößerungen wie in dem hier gezeigten Beispiel sind aber eher grenzwertig und eignen sich lediglich zu Demonstrationszwecken.

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Blaue Stunde

Nein, es hat nichts mit ausgiebigem Alkoholgenuß zu tun. Zumindest nicht in der Fotografie, obwohl einige verwackelte Bildergebnisse diesen Schluß durchaus logisch erscheinen lassen. Vielmehr geht es um einen Zeitabschnitt, zweimal am Tag, bei dem Himmelslicht und Umgebungslicht ungefähr die gleiche Helligkeit besitzen. Wobei, eine ganze Stunde hält dieser Effekt nicht an. Je nach Jahreszeit und Aufnahmeort wird dabei im deutschsprachigen Raum aus der blauene Stunde ein Zeitfenster von 25-45 Minuten. In dieser Zeit sollte das Motiv bzw. die Motive auf die Speicherkarte gebannt werden, weil danach die Balance der Helligkeit rapide nachlässt. Bei Aufnahmen von künstlich beleuchteten Bauwerken oder Gebäuden ist der Beginn der blauen Stunde etwas früher anzusetzen und kann, je nach Intensivität der Ausleuchtung, auch etwas früher beendet sein. Dazu einige Tips, was alles beachtet werden sollte, um gute Fotos als Lohn der Mühe zu erhalten.

Funkturm_2Ein beliebtes Motiv bei Berlin-Besuchern – das ICC mit blau beleuchtetem Funkturm. Dieses Foto wurde zu Beginn der blauen Stunde aufgenommen. Der Himmel ist noch recht hell, aber die starke Beleuchtung des Gebäudes und das blaue Licht des Funkturms befinden sich mit der Himmelshelligkeit in einer schönen Balance. Schon zehn Minuten später werden beide Objekte zu dominant. Dann ist das gesamte Motiv zwar immer noch für einen Nightshot mehr als interessant, nimmt aber der Aufnahme auch ein wenig Leben.

Fester Stand

Die Wahl des Aufnahmeortes sollte nie unterschätzt werden, denn so mancher Fotoamateur hat schon über sein Equipment geflucht, ohne zu ahnen, dass die Elektronik gar nicht verantwortlich an den zahlreichen unscharfen Aufnahmen war. Bestes Beispiel ist die beliebte Fußgängerbrücke über einer Autobahn. Man sollte sich schon bewusst sein, dass, je nach Verkehr, diese Brücke nur oberflächlich ein ruhender Pol ist. Schwingungen durch Kraftfahrzeuge können einem die ganze blaue Stunde buchstäblich madig machen, denn man arbeitet mit Verschlusszeiten von einer bis 15 Sekunden Dauer. Je nach Schwingneigung erhält man mehr oder weniger verwackelte Aufnahmen, die man allerdings auf dem Kameramonitor erst einmal gar nicht so sieht. Spätestens auf dem 24 Zöller Zuhause wird dann das ganze Ausmaß des Desasters deutlich und der Abend ist gelaufen. Deshalb gilt grundsätzlich – der Aufnahmeort sollte erschütterungs- und schwingungsfrei sein.
Arbeitet man mit langen Belichtungszeiten, wird das Stativ im wahrsten Sinne des Wortes zum „tragenden Element“. Genau wie bei der Nachtfotografie, wird spätestens jetzt deutlich, ob man in dieses Fotozubehör genug Geld investiert hat. Es gibt dutzende von Berichten im Netz, bei der ein Billigstativ ebenfalls zu katastrophalen Ergebnissen geführt hat. Ob es am heftigen Wind (z. B. in Meeresnähe oder auf einem Hochhausdach) oder anderen Problemen mit dem Stativ selbst lag (Rastfunktionen der Höheneinstellung), ist vollkommen uninteressant, wenn das Foto unscharf ist. Kleiner Tip: die Kameratasche an den Stativ-Haken gehängt, kann manchmal das Schlimmste verhindern. Durch das zusätzliche Gewicht erhält auch ein leichtes Stativ mehr Stabilität.

Aufnahme

Ein Fernauslöser ist bei Aufnahmen in der blauen Stunde ebenfalls keine schlechte Idee. Zwar kann man auch über den Selbstauslöser gelungene Aufnahmen machen, aber das Gefummel an den Einstellungen kostet doch einiges an Zeit, die man sich sparen kann.  Und Zeit ist, wie schon erwähnt, eher knapp. Fernauslöser kosten auch nicht die Welt und kabelgebundene Exemplare sind schon, je nach Kameramodell, für unter 10  € erhältlich. Eine Anschaffung, die sich immer lohnt. Bei der Anschaffung eines komfortablen Funkauslösers sollte man immer bedenken, dass sich mehrere Fotografen manchmal den gleichen Aufnahmeort teilen und gegebenenfalls die gleiche Ausrüstung besitzen. Das kann schon mal für Verwirrung sorgen, wenn der Nachbar auf den Auslöser drückt und die eigenen Kamera Fotos schießt. Bei Funkauslösern sollte der Funk-Kanal wählbar sein, damit solche „Mißverständnisse“ zumindest minimiert werden können.

 Semper_2Das Ende der blauen Stunde ist erreicht, wenn das Kunstlicht die Facetten eines Motivs überstrahlt. Wie hier auf der Aufnahme der Semper Oper in Dresden zu sehen ist, verschwindet die kunstvolle Fassade des Bauwerks im Schatten der Beleuchtung. Ist der Himmel noch dunkler, bleibt zwar wiederum ein schönes Motiv für den Nightshot, aber das Bild an sich verliert an Glanz.

Objektiv

Die Auswahl an benötigten Objektiven gehört ebenfalls in die Vorbereitung. Kaum ein Fotograf wird auf die Idee kommen, ausgerechnet zur blauen Stunde Potraitaufnahmen oder Makroexperimente zu machen. Geht man von der Annahme aus, dass die Suche nach einem geeigneten Aufnahmeort auch mal mühselig sein kann, ist leichtes Gepäck gefragt. Ein zweiter Body  mag noch sinnvoll sein, aber verschiedene Festbrennweiten mit zu schleppen, ist eher grenzwertig. Ein gutes Midrange-Zoom, das eigentlich in jede Ausrüstung gehört, reicht erfahrungsgemäß immer aus. Abhängig vom Motiv, dass doch meistens ein kunstvoll ausgeleuchtetes Gebäude oder zumindest großflächige Motive beinhaltet, ist eine Brennweite von 24mm bis maximal 100mm empfehlenswert. Auch das sonst oft verschmähte Reisezoom kann durchaus in der blauen Stunde auftrumpfen, denn die Blende und die lange Belichtungszeit spielen den nicht immer superscharfen Plastikdosen in die Karten. Nicht so interessant sind Objektive mit zu kurzer oder zu langer Brennweite. Im ersten Fall kann das eigentliche Motiv zu klein ausfallen, im zweiten Fall fehlt ein wenig Dynamik und Schärfe, um ein spektakuläres Ergebnis zu erzielen.

Ein Fakt, der immer wieder bei langen Belichtungszeiten vergessen wird, ist die integrierte Bildstabilisierung in Objektiven und Kameras. Sie sind in diesem Falle eher kontraproduktiv und sollten IMMER bei Belichtungszeiten von mehr als 0,2 Sekunden abgeschaltet werden.

Kamera vorbereiten

Hat man sein notwendiges Equipment ausgewählt, sollte man sich mit der Einstellungen der Kamera auseinandersetzen. Für die blaue Stunde gelten dann ähnliche Werte, die auch in der Nachtfotografie benutzt werden. Niedrige Iso-Werte von maximal 200 (besser 100) sind in Punkto Rauschfreiheit vorzuziehen. Gerade dunkle Bildabschnitte, die in der blauen Stunde häufig auftreten, sollten keine störenden Rauschanteile besitzen. Durch die längere Belichtungszeit, ist der niedrige ISO-Wert auch kein wirkliches Problem. Als zweiter „Grundwert“ nimmt die gewählte Blende eine wichtige Rolle ein. Zwischen f8 und f11 arbeiten die meisten Objektive perfekt und gerade die Zoom-Objektive liefern in diesem Bereich die besten Ergebnisse. Die Tiefenschärfe ist ausreichend bis gut und mangelndes Licht wird durch längere Belichtungszeiten kompensiert.

GrubenlampeDer perfekte Zeitpunkt. Wie man gut erkennen kann, ist der Übergang von Baumgruppe und Wiese noch sichtbar, obwohl der Hintergrund ca. 100 Meter hinter dem Motiv liegt. Auch die herannahende Wolkendecke bildet einen wundervollen Kontrast zum sonst blauen Himmel. Das Zusammenspiel der Grundfarben ist bei diesem Motiv einfach ein Glücksfall.  Zumindest in meinem Bildportfolio ist es eines der besten Aufnahmen zum Thema Blaue Stunde.

Die Belichtungszeit ist der einzige Wert, der sich bei den Aufnahmen innerhalb der blauen Stunde kontinuirlich verändert.  Besitzer einer Kamera, die Bildserien mit unterschiedlichen Belichtungszeiten vorher festlegen können, sind hier im Vorteil. Grundsätzlich sollte, wenn man das Motiv gut scharfgestellt hat, mehrere „Serien“ anfertigen. Der kamerainterne Kontrollmonitor ist gerade bei diesen Aufnahmebedingungen nicht aussagekräftig. Was über den kleinen 3 Zöller eventuell als gut ausgeleuchtet dargestellt wird, schaut auf dem großen Monitor Zuhause eher über- oder unterbelichtet aus. Fotoamateure, die Erfahrungswerte mit dem kamerainternen Histogramm besitzen, werden dabei schneller die „richtige“ Belichtungszeit erkennen. Für alle Anderen, die erstmals mit schwierigen Belichtungsverhältnissen arbeiten, hat sich folgendes Vorgehen als produktiv erwiesen: Mit 0,3 Sekunden beginnen und in Schritten bis auf 5 Sekunden verlängern. Diesen Vorgang mit Pausen von 2-3 Minuten mehrmals wiederholen. Es sollte schon wirklich alles schiefgehen, wenn nicht mindestens ein Dutzend Fotos dabei sind, die man durchaus auch präsentieren kann.

 

HDR

Gerade die blaue Stunde lädt dazu ein, erstmals mit der HDR-Technik zu experimentieren. Bei dieser Technik werden mehrere, (meist 3) verschiedene Belichtungszeiten eines gleichen Motivs übereinandergelegt und zu einem Bild verschmolzen. An dieser Stelle wird der Fernauslöser UND der sichere Stand der Kamera zum Grundgerüst. Während bei Einzelaufnahmen über Selbstauslöser eine minimale Abweichung des Motivs kein großes Problem darstellt, ist es beim übereinanderlegen von drei verschiedenen Belichtungzeiten ein echtes NoGo. Hier ist jeder Milimeter Abweichung ein Fall für den „Scharfrichter“ und entscheidet, ob das Ergebnis in der Tonne oder auf dem Fotoordner landet. Zwar kann man mit entsprechenden HDR-Programmen einiges an Unschärfen, die durch das Übereinanderlegen der Bilder entstehen können, ausgleichen, aber Wunder vollbringen auch diese Programme nicht. Je genauer die Position der Kamera eingehalten wird, desto schärfer das Ergebnis. Für die Auswahl der drei Bilder, die letztendlich für das HDR benutzt werden, müssen nicht unbedingt aneinanderliegende Belichtungsstufen das beste Bild erzeugen. Ein wenig experimentieren mit anderen Belichtungswerten hat in der Vergangenheit hochinteressante und eindrucksvolle Ergebnisse geliefert.

Wahrnehmung und Foto

Wenn alles gut vorbereitet ist und das Equipment stimmt, sollten Bildergebnisse aus der blauen Stunde immer Begeisterung erzeugen. Sowohl beim Fotografen, als auch beim Zuschauer, der die Bilder im Netz oder als Printout an der Wand bewundert. Warum das so ist bzw. warum das so sein sollte, ist eigentlich schnell erklärt. Das Foto zeigt etwas, was das menschliche Auge in dieser Form nicht wahrnehmen kann. Während sich das Auge automatisch an die „richtige“ Verteilung der Lichtquellen anpasst, wird das Foto, je nach Belichtungszeit, verschiedene Lichteffekte und Bilddetails bevorzugen. Wenn also ein Bild, aufgenommen in der blauen Stunde,  unwirklich schön aussieht, wurde alles richtig gemacht.

test pattern by Ryoji Ikeda

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Das ist der Name, den der in Paris lebende japanische Künstler Ryoji Ikeda seiner Installation gab, die im Rahmen der ruhr/triennale in der Kraftzentrale des Landschaftspark Nord in Duisburg zu bestaunen ist. Schnell wechselnde schwarz-weiß Strukturen symbolisieren die uns täglich umgebenden digitalen Daten in Form von Barcodes, die über millimetergenau positionierten Hochleistungsprojektoren auf den Hallenboden abgebildet werden. In Zusammenhang mit dem Menschen, der als Kontrast zu der perfekten Projektion steht und als unverzichtbarer Bestandteil der Installation zu betrachten ist, entsteht ein ungewöhnliches Ambiente, das durch die rythmischen Impulse des Soundtracks verstärkt wird.

Aufnahmetechnisch ist diese Kunst-Installation eine echte Herausforderung für jeden Fotografen. Profis eingeschlossen. Es gibt nämlich, ausser den Projektoren an der Hallendecke, kein Licht. Nicht einmal ansatzweise. Längere Belichtungszeiten sind aber nicht möglich, da die Änderungsfrequenz der Barcodes zumeist unter einer viertel Sekunde liegt. Versucht man es dennoch mit Belichtungszeiten von mehr als einer zehntel Sekunde, erhält man eine fast durchgehend helle Fläche, mit weniger als eine zwanzigstel Sekunde fast nur Dunkelheit. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Barcode-Projektionen eine fotografisch reizvolle Form erzeugen und deshalb die richtige Aufnahme zur richtigen Zeit zum reinen Glücksspiel mutiert.test_pattern2

Die Aufnahmen selbst sind natürlich etwas dunkler, zumal hier nicht mit Iso-Werten über 800 gearbeitet werden kann, denn das Bildrauschen macht dem Fotografen einen Strich durch die Rechnung. Selbst High-Iso Boliden, die sonst problemlos fünfstellige Werte ohne sichtbaren Rauscheffekte realisieren, sind in dieser Halle überfordert, wenn sie mit Weitwinkel-Brennweiten von 12-20 mm zurecht kommen müssen. Bei mehr als 12mm ist von keiner Position aus die gesamte Installation in der Länge von 100 Metern abbildbar.

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Durch das enorme Kontrastverhältnis entsteht ein Effekt, der sehr stark an die Negative aus früheren Zeiten erinnert. Er gibt den Aufnahmen einen zusätzlichen, unwirklichen Reiz, der die Bilder fast wie Backlit Animation Design wirken lässt – Tron lässt grüßen.  Es sind aber tatsächlich normale Fotos, lediglich etwas nachgeschärft.

Die hier präsentierten Bilder können nur rudimentär die Wahrnehmung des Kunstwerkes wiedergeben. Zu mächtig ist die Gesamtperfomance der Installation auf die Sinne des Betrachters. Aber vielleicht machen die Aufnahmen neugierig auf dieses Kunstwerk, das seit 2008 weltweit zu verschiedenen Art-Events installiert und auch noch zukünftig zu sehen sein wird.

Fotos: Jürgen Olejok /© 2013

 

 

 

Lochkamera

bahnhof3Alte Fotografien haben etwas surreales. Diese gelblich-braun gefärbten Zeugnisse einer längst vergangenen Epoche erzeugen beim Betrachten oft Melancholie und Demut, weil die abgebildeten Menschen, Maschinen und Gebäude der Grundstein unserer technisch orientierten Zivilisation ist. Wie eine Zeitmaschine nehmen sie den Betrachter mit auf eine Reise in die Vergangenheit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte.
Tatsächlich besitzen Bilder aus den Anfängen des 19. Jahrhundert eine spezielle Art von Intensivität, die mit einem Farbfoto nicht zu erzielen ist. Der Grund liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit an technischen Unzulänglichkeiten der damaligen Fototechnik. Farbe gab es nicht und sauber abbildende Objektive erst Jahre später. Eine Glaslinse vor dem Loch einer Holzkiste, und die noch nicht einmal von hoher Güte, war schon Luxus. Ausserdem war der Lichtabfall zum Bildrand hin gewaltig, so dass eine Abschattung der Bildränder (Vignettierung) kaum zu verhindern war.
Alles Gegebenheiten, die man heute durchaus emulieren kann, wenn man sich an das Grundprinzip der Technik aus dem 19. Jahrhundert hält – ein Loch und eine Einheit, die das einfallende Licht speichert. Der Aufnahmesensor ist in jeder Kamera vorhanden, es fehlt lediglich ein Loch – und das gibt es für digitale DSLR´s von Holga.

Das Fotografieren mit dem schlechtesten Objektiv der Welt, dem Holga, hat so seine Tücken. Mit einer Blende von 8 (tatsächlich eher irgendwo zwischen 11 und 16)  und keinerlei elektronischer Kameraunterstützung, wird schon die richtige Belichtung zur Geduldsprobe. Die starke Vignettierung ist gewollt, aber die Fokussierung anhand der vier vorgegebenen Entfernungssymbole ist reine Glückssache. Dafür ist die Tiefenschärfe kein Thema, denn eine kleine (Blenden)Öffnung ist bekannterweise ein Garant für durchgehende Schärfe ab wenigen Metern vom Objektiv.brunnen1
Hat man sich bis dahin vorgearbeitet, ist man noch lange nicht am Ziel, denn eine Sache hat man nicht auf der Rechnung – das Motiv. Jeder, der mit dem Holga schon seine Erfahrungen gemacht hat, wird es bestätigen können: Es ist recht zickig, was Motive angeht. Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn man sich auf die Suche nach Gebäuden oder Gegenständen macht, die noch aus der Anfangszeit der industriellen Revolution stammen. Backstein und Dampfmaschinen aus victorianischen Zeiten erhalten dank Holga neues Leben, auch wenn die Dinge schon längst ihren Dienst eingestellt haben. Zwar erreichen die „Holga-Kopien“ nur selten die Intensivität echter Fotos aus der damaligen Zeit, aber sie reichen nah heran. Eine zusätzliche Bearbeitung mittels Software erzeugt die notwendige Authentizität.

Rund zwei dutzend Euro kostet der Holga-Spaß. Hinzu kommen aber einige Stunden Einarbeitung, weil das einfache Loch mehr Kameraarbeit verursacht, als so manch edle Linse. Hat man „seine“ Einstellung für das Holga gefunden, erwartet den Fotograf so manche Überraschung, wenn er die Ergebnisse kontrolliert. Es ist wie in den Anfängen der Fotografie – ein Trip zurück in die Zeit, als ein Fotograf noch Wunder vollbrachte. Das Wunder des Abbilds.

 

Durchblick

Titel1Das Objektiv macht das Bild – ein schon immer geltendes Gesetz in der Fotografie. Selbst der beste Chip im Kleinbild- oder gar Mittelformat mit einer fast unanständigen Pixeldichte, leistet nicht einmal Kompaktkamera-Qualität, wenn das aufgeschraubte Objektiv schlecht abbildet oder falsch gewählt ist. Allerdings tendiert der Markt für Objektive mittlerweile in Richtung Damenhandtasche – man findet nicht, was man sucht (oder braucht) und findet, was man gar nicht haben wollte. Fast wie in einem Irrgarten, verhindern Begriffe wie Brennweiten, Crop-Faktor, Ultraschallmotoren, Lichtstärke, Bildstabilisierung, Aspherische Linsen, chromatische Aberration, Innen-/Aussenfokussierung und Macro-Bereich den kürzesten Weg zu der richtigen Linse, die man für seine Projekte benötigt. Hinzu kommen die wort- und stimmgewaltigen Meinungsmacher in den Foren, die entweder sowieso nur Markenqualität vom Kamerahersteller empfehlen, oder sich in Schreibschlachten verlieren, weil sie den einen oder anderen Zweithersteller bevorzugen. Kurz, der interessierte und potentielle Käufer wird entweder mit vollkommen uninteressanten Daten überlastet, die nichts mit seiner Suche zu tun haben oder komplett ignoriert, weil er ernsthaft mit seinem Blick auf das Budget eine China-Linse in Betracht zieht.

Dieser Artikel soll für den Einsteiger, aber auch für den ambitionierten Fotoamateur neben den sogenannten Basics auch zusätzliche Informationen liefern, welches Objektiv für seine Motivauswahl geeignet ist und was es VOR dem Kauf zu beachten gilt. Qualitätsvergleiche zwischen Firmen und Herstellern wird man hier nicht finden, weil eigentlich jeder Objektivhersteller das eine oder andere Schmuckstück im Portfolio hat. Genug der Vorrede und hinein ins Vergnügen der „objektiven“ Vielfalt.

 

Früher war alles einfacher

Genau das war es, zumindest bis in die Achtziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Im Bereich SLR-Amateurfotografie gab es drei „Standardbrennweiten“, die in keiner Ausrüstung fehlen sollten; 35 mm Weitwinkel, 50 oder 55 mm Normalbrennweite und 135 mm Teleobjektiv. Vielleicht auch noch ein Fischeye mit 14 mm oder ein Supertele über 250 mm. Passend zur jeweiligen Kamera bzw. Anschluß (Bajonett oder M42 Schraubgewinde) war die Ausrüstung mit maximal fünf Objektive  komplett. Ein Zoom-Objektiv konnte zur damaligen Zeit den Festbrennweiten in Sachen Abbildungsqualität nicht annähernd das Wasser reichen und wurde nur bei Gelegenheitsknipsern hier und da mal gesehen. Scharf gestellt wurde mechanisch mit Hilfe des Fokusring und der Blendenring sorgte für die Blendenvorwahl. Alles ganz easy, wenn man es ein paar mal probiert hatte.

Als die ersten „SLR-Fotoautomaten“ den Markt eroberten, wurde es ein wenig schwieriger, denn die Objektive enthielten plötzlich elektrische Signalleitungen, die von der Kameraelektronik ausgewertet wurden und somit das Fotografieren an sich erleichtern sollten. Mit dieser technischen Neuerung verlor der bis dahin weit verbreitete M42-Schraubanschluß an Bedeutung und wurde nach und nach durch herstellerspeziefische Bajonett-Anschlüsse ersetzt. Die Auswahl an Objektiven für den Fotoamateur verringerte sich. Dafür gab es erstmals Funktionen wie elektronischen Autofokus. Der war zwar so treffsicher wie ein Schrotgewehr, aber das Summen des Motors weckte die Kauf-Lust bei jedem ambitionierten Fotografen.

Sigma Weitwinkel-Zoom für NikonBild rechts: Ein Objektiv aus der „Zwischenwelt“, nutzbar an einer digitalen, aber auch an einer analogen Kamera mit Nikon F-Bajonett. Das für den Weitwinkeleinsatz vorgesehene Objektiv von Sigma mit einer Brennweite von 17-35 mm ist ein gutes „Immer drauf“- Objektiv, wenn es um Architekturfotografie geht. Der Zoomfaktor von 2 ist so gering, dass sich kaum Nachteile gegenüber Festbrennweiten in diesem Bereich erkennen lassen.  Die hier abgebildete Version mit 82mm Filterdurchmesser zeichnet recht scharf und hat über den kompletten Zoom-Bereich kaum Schwächen in der Abbildungsleistung. Optimale Arbeitsblende 5,6, aber auch bei Offenblende 2,8 noch sehr gut.

Der Einzug der Digitaltechnik in der SLR-Fotografie veränderte den Objektivmarkt drastischer, als alle bisherigen Entwicklungen im Bereich Foto. Der seit 50 Jahren benutzte KB-Film mit dem Maß 24 mal 36mm war plötzlich nicht mehr der Standard für Objektivberechnungen, sondern die Größe des verbauten Foto-Sensors. Und davon gibt es allein im Bereich Spiegelreflex derzeit vier verschiedene Größen (siehe auch Artikel Pixelwahn), KB (24 mal 36 mm), DX (23,7 mal 15,6 mm), APSC (22,3 mal 14,8 mm) und Four- Thirds (17,3 mal 13,0 mm). Hinzu kommt noch der Foveon-Chip (20,7 mal 13,8 mm), der in Sigma Kameras verbaut wird, aber wegen der geringen Verbreitung hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt ist. Der sogenannte Crop-Faktor einer Kamera wurde zum tragenden, aber auch zum tragischen Begriff, wenn man eine bestimmte Brennweite benötigte, denn die Angaben auf dem Objektiv orientieren sich immer noch am Kleinbildformat.

Als Ausgleich erreichte die Entwicklung der Zoom-Objektive neue Höhen. Neue Zoom-Konzepte und Entwicklungen in der Linsentechnik ergaben Objektive, die in Sachen Abbildungsqualität und Schärfe sehr nahe an eine Festbrennweite heran reichten. Davon profitierten wiederum die Käufer, die sich nicht auf eine bestimmte Brennweite festlegen, sondern flexibel jeder Aufnahmesituation begegnen wollten.

Da man heute für fast alle Objektive entsprechende Adapter für Fremdkameras bekommt, kann man sie, wenn auch oftmals eingeschränkt, am eigenen Modell benutzen. Das sichtbare Ergebnis wird jedoch gelegentlich verwundern, denn die unterschiedlichen Sensorgrößen machen die aufgedruckten Objektivdaten für die Brennweite zur Makulatur. Es entsteht Erklärungsbedarf …

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Kunstlichter

wartehaus_skaliertEs gibt kaum spannendere und spektakulärere Motive, die den Fotoamateur mehr herausfordern, als Gebäudeteile oder Objekte, die von Kunstlicht an- bzw. ausgeleuchtet werden. Dramatische Kontraste sind der Garant für Fotos, die zum längeren anschauen animieren. Aber Vorsicht ! – die hilfreichen Funktionen wie Autofokus oder Programmautomatik sind meist nicht vorhanden und alle Einstellungen, wie zur Zeit der Filmfotografie, müssen per Hand eingestellt werden. Bis es dann zu einem gelungenen Bild kommt, kann es schon mal eine halbe Stunde dauern. Der Lohn sind Ergebnisse, die ohne jeden Zweifel auch in Postergröße eine Wand schmücken können. Ein Stativ, ein bis zwei Blitze, Taschenlampe und ein Fernauslöser gehören neben der Kamera zum Standardequipment, wenn nach Einbruch der Dunkelheit die Motivjagd beginnt. Drei bis vier brauchbare Bilder in einer Nachtsession, sind übrigens eine gute Ausbeute.

Die Bilder sind, bis auf eine vorsichtige Rauschkorrektur, unbearbeitet. Die Farben ergeben sich durch die installierte Beleuchtung und den Einsatz einer Taschenlampe, sowie diversen Blitzgeräten.

Diese Bilderreihe wird, wie andere auf diesem Blog auch, dauerhaft aktualisiert. Schaut ruhig öfters mal rein.

© Jürgen Olejok / 2013